Gewinne & Verluste
Die Komplett-Merkregel
Werden gleichartige Wertpapiere in einem Depot in mehreren Tranchen gekauft, gilt für die steuerliche Gewinnermittlung grundsätzlich FiFo (First In, First Out): Die zuerst angeschafften Stücke werden dem Verkauf zuerst zugeordnet.
1Was bedeutet das FIFO-Verfahren?
Im deutschen Steuerrecht ist das First In, First Out (FiFo) Prinzip für Wertpapiergeschäfte gesetzlich vorgeschrieben. Es regelt, wie Gewinne berechnet werden, wenn du von einem Wertpapier im Laufe der Zeit mehrere Anteile zu unterschiedlichen Kursen gekauft hast.
Wenn du nun einen Teil dieser Positionen wieder verkaufst, nimmt das Finanzamt an, dass dies genau die Papiere sind, die du als allererstes gekauft hast. Du kannst dir nicht aussuchen, welche Tranche du verkaufst (z. B. um Steuern zu optimieren), solange sie im selben Depot liegen.
2Wie funktioniert die Gewinnberechnung?
Die Formel für realisierte Gewinne und Verluste bei Aktien und ETFs ist einfach. Die Komplexität liegt meist darin, die korrekte "historische Kauf-Charge" zu finden.
Historischer Kaufpreis ermitteln
Suche anhand des FiFo-Prinzips die passende Kauf-Tranche zum Zeitpunkt des Verkaufs.
Verkaufserlös abzüglich Kaufpreis
Die Differenz zwischen dem erzielten Verkaufspreis und dem historischen Kaufpreis ist dein Brutto-Gewinn oder -Verlust.
Transaktionskosten berücksichtigen
Zulässige Ordergebühren (Kauf- & Verkaufsspesen) mindern deinen steuerpflichtigen Gewinn und werden direkt abgezogen.
3Ein konkretes Beispiel
1. Die Käufe
- Januar: Du kaufst 10 Stück eines ETFs für je 100 € (Gesamt: 1.000 €).
- März: Du kaufst weitere 10 Stück für je 120 € (Gesamt: 1.200 €).
- Dein Depotbestand: 20 Stück.
2. Der Teilverkauf
- Juli: Der Kurs steht bei 150 €. Du entscheidest dich, 10 Stück zu verkaufen (Verkaufserlös: 1.500 €).
3. Die Gewinnermittlung nach FiFo
- Nach FiFo zählen die 10 als allererstes gekauften ETFs als verkauft. Das sind die Anteile aus Januar (Kaufpreis: 100 €/Stück).
- Berechnung: 1.500 € (Verkaufserlös) - 1.000 € (Anschaffungskosten aus Jan) = 500 € steuerpflichtiger Gewinn.
- Die "teureren" Anteile aus März (120 €) bleiben weiterhin in deinem Depot, bis zum nächsten Verkauf.
Achtung bei ausländischen Brokern
Broker wie Interactive Brokers (IBKR) führen keine automatische Steuerberechnung nach deutschem Recht durch.
- 1Ausländische Broker nutzen oft andere Methoden (z. B. Hifo, LIFO oder Durchschnittskosten), die in ihren Auszügen ausgewiesen werden.
- 2Brokerwerte mit einer anderen Kostenmethode dürfen nicht ungeprüft als deutsche Steuerwerte übernommen werden.
- 3Für den Report wird die vollständige Transaktionshistorie in die für Deutschland relevante Lot-Zuordnung überführt.
- 4Verluste aus Kapitaleinkünften (Aktienverluste) dürfen zudem nur mit Gewinnen der gleichen Anlageklasse (Aktiengewinne) verrechnet werden.
Währungsumrechnung mit wählbarer Kursquelle
Für steuerliche Euro-Werte sind offizielle Referenzkurse ein wichtiger Maßstab. Bei IBKR gibt es aber zwei unterschiedliche Ebenen: Wertpapierergebnisse und separate Cash-FX-Bewegungen.
Bei Aktien, ETFs und Derivaten entsteht der steuerliche Euro-Wert aus Anschaffung und Verkauf am jeweiligen Transaktionsdatum. IBKR liefert dafür wichtige Rohdaten und Kontrollwerte; die finale Steuerlogik rekonstruiert den Wertpapier-FX-Effekt aber aus den einzelnen Kauf- und Verkaufsdaten. Für Cash-FX reicht das allein nicht, weil dort Fremdwährungsguthaben und auch negative Währungssalden separat nachverfolgt werden müssen.
Unser zweigleisiger Ansatz
Für Wertpapierverkäufe rekonstruieren wir die steuerlichen Euro-Werte aus Anschaffungskosten und Veräußerungserlösen am jeweiligen Transaktionsdatum. IBKR-„Realized PnL“ bleibt eine Kontrollspur und wird nur als Review-Fallback verwendet, wenn die Anschaffungshistorie fehlt.
Für echte Cash-FX-Bewegungen berechnen wir zusätzlich eine konto- und währungsweise FiFo-Historie mit der im Report gewählten Kursquelle. Reuters FIX ist die empfohlene Ausgangseinstellung; Flex-Query- oder EZB-Kurse sind ebenfalls möglich. So bleibt nachvollziehbar, wo Wertpapier-FX bereits enthalten ist und wo ein separater Währungsgewinn oder -verlust entsteht.
TradingFormular berechnet das für dich
Die manuelle Berechnung von FiFo-Gewinnen und -Verlusten ist fehleranfällig und kostet Zeit. Vor allem, wenn du unterjährig mehrmals die gleichen ETFs nachkaufst oder Sparpläne ausführst, verliert man schnell den Überblick über die einzelnen Tranchen.
TradingFormular rekonstruiert aus der hochgeladenen IBKR Flex Query die unterstützten Lots, Erlöse und Kosten und stellt die Ergebnisse als Ausfüllhilfe bereit. Fehlende Historien, Depotüberträge und Kapitalmaßnahmen müssen vor der Abgabe ergänzt oder geprüft werden.